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Geburtshilfe beim Rind: Wann Landwirte bei der Kalbung eingreifen müssen

Die meisten Geburten verlaufen problemlos ab und erfordern kein menschliches Eingreifen. Dennoch kommt es nicht in jedem Fall zu einem komplikationsfreien Ablauf. Wichtig ist hier zu wissen, wann in das Geburtsgeschehen eingegriffen werden darf. Denn sowohl ein zu frühes als auch zu spätes Eingreifen kann schwerwiegende Folgen mit sich tragen. Um hier Sicherheit zu erlangen ist das Wissen über den genauen Abkalbeverlauf und eine regelmäßige und vollumfassende Geburtsüberwachung unerlässlich.

Der Abkalbeverlauf beim Rind: Die drei Phasen der Kalbung

  1. Öffnungsphase
    Der innere Muttermund öffnet sich und die Fruchtblase tritt in den Gebärmutterhals ein. Erste Wehen setzen ein und die Kuh dehnt sich. Jetzt ist es wichtig, die Kuh in Ruhe zu lassen, um den natürlichen Ablauf nicht zu unterbrechen.
     
  2. Austreibungsphase
    Nachdem der Kopf des Kalbes durch die Scham getreten ist, sollte die Geburt innerhalb von 15 bis 20 Minuten abgeschlossen sein. Solange bei einer Vorderendlage die Schultern noch nicht geboren sind, wird das Kalb in den meisten Fällen weiterhin zuverlässig über die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt. Es ist daher in der Regel nicht notwendig, das Kalb sofort herauszuziehen, sobald die Klauen sichtbar werden.
     
  3. Nachgeburtsphase
    Das restliche Fruchtwasser und die Nachgeburt gehen durch die Nachwehen innerhalb von 6 bis 8 Stunden nach der Kalbung ab. Dauert dieser Vorgang länger als 12 Stunden, wird von einem Nachgeburtsverhalten gesprochen.

Quelle: Geburtsüberwachung und Geburtshilfe beim Rind, Boehringer Ingelheim

Wann Handeln bei stockenden Wehen notwendig ist

Sollte die Kuh jedoch bereits zu lange in den Wehen liegen ohne großen Fortschritt oder gar auf gehört haben zu pressen, ist ein Handeln auf jeden Fall gefragt. Gründe dafür könnten beispielsweise ein fetomaternales Missverhältnis (zu großes Kalb im Verhältnis zum Becken der Kuh) sein oder eine Fehlstellung im Geburtskanal. Eine vaginale Untersuchung gibt hier einen Überblick. Um späteren Entzündungen vorzubeugen, sollte eine möglichst hygienische Atmosphäre geschaffen werden und das Tragen von Geburtshandschuhen ist empfohlen. Im Notfall bitte einen Tierarzt kontaktieren.

Nicht in allen Fällen muss gleich der Geburtshelfer angesetzt werden. Der Einsatz von Gleitgel und Geburtsstricken reicht manchmal bereits aus. Wenn es nicht anders geht, ist der Einsatz mechanischer Geburtshelfer wie den Vink Geburtshelfer oder der Geburtshelfer mit Kunststoff-Ansatzstütze, unausweichlich. Hierbei werden die Geburtsstricke an den beiden Gliedmaßen des Kalbes oberhalb des Fesselgelenks fixiert. Auf ein fachgerechtes Ziehen ist zu achten. Außerhalb der Wehenpausen sollte der Zug gelockert werden. Nach jeder Geburtshilfe sollte die Kuh auf Blutungen und Verletzungen untersucht werden.

Untersuchungen nach der Geburt

Nach der Geburt gilt es jedoch als aller erstes die Vitalität des Kalbes zu prüfen. Bei Schwergeburten können Kälber nämlich schnell einen Sauerstoffmangel entwickeln. Hinweise auf einen Sauerstoffmangel sind blasse bis bläulich verfärbte Schleimhäute und eine unregelmäßige Atmung. Um dem Kalb das Atmen zu erleichtern, sollte dieses in eine stabile Brust-Bauchlage gelegt werden und die Atemwege mit sauberen Händen von Schleim und Fruchtwasser befreit werden. Bei rasselnden Atemwegsgeräuschen kann hier eine spezielle Pumpe zum Absaugen, wie den Kälberretter, zur Hilfe genommen werden. Um die Atmung und den Kreislauf anzuregen, hilft ein Kaltwasserguss in den Nacken oder eine Brustmassage, bzw. Abreiben mit sauberem Stroh.

Nach der Untersuchung des Kalbes, sollte nun das Muttertier näher in Augenschein genommen werden. Neben der Untersuchung des Genitalbereichs auf Verletzungen, ist auch das allgemeine Befinden der Kuh wichtig zu überprüfen. Negative Anzeichen sind beispielsweise Festliegen sowie eine erhöhte oder erniedrigte Körpertemperatur, die auf Milchfieber hindeuten können.

So wichtig es ist, dass das neugeborene Kalb frühzeitig und in ausreichender Menge mit Kolostrum versorgt wird, so wichtig ist es auch, der Kuh ausreichend Wasser zur Verfügung zu stellen oder ihr im Idealfall einen Energietrunk anzubieten. Das Dairylyt regt beispielsweise nicht nur den Stoffwechsel an, sondern versorgt die Kuh mit Calcium, um so Milchfieber vorzubeugen. 

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